Warum die Sauna mehr ist als Hitze
Über die Wirkung der Sauna wird häufig anhand von Temperaturen, Saunadauer und Herzfrequenz gesprochen. Das gemeinsame Erleben kommt dabei oft zu kurz. Dabei sitzt man in vielen Saunen nicht allein, sondern teilt die Wärme, die Stille und manchmal auch ein Gespräch mit anderen.
Wie wichtig dieses Miteinander sein kann, zeigt das Beispiel Finnland. Im Dezember 2020 wurde die finnische Saunakultur in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die finnische Regierung beschrieb das Saunieren damals als festen Bestandteil des Alltags und gemeinsamer Feste. Es fördere außerdem Gleichberechtigung und gegenseitigen Respekt. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag „Finnlands Saunakultur“.
Gerade wenn die Tage kürzer werden, verbindet die Sauna für viele Menschen Wärme und Geselligkeit. Doch welchen Einfluss hat dieses Miteinander tatsächlich auf unser Wohlbefinden? Dieser Frage sind inzwischen auch Forschende nachgegangen. Eine ihrer Untersuchungen schauen wir uns genauer an.
Was die britische Studie zeigt
Britische Forschende von den Universitäten Greenwich und Oxford haben 2026 eine wissenschaftliche Arbeit mit drei Teilstudien veröffentlicht. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Social Science & Medicine. Dafür befragten sie Saunagängerinnen und Saunagänger in Großbritannien – teilweise vor und nach dem Saunagang, teilweise zu ihren regelmäßigen Saunagewohnheiten.
Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Einfluss das gemeinsame Saunaerlebnis auf das persönliche Wohlbefinden hat. Besonders interessierten sich die Forschenden für den Zusammenhang zwischen Zugehörigkeit, gemeinsamen Ritualen und seelischem Wohlbefinden.
Was Zugehörigkeit hier bedeutet
Zugehörigkeit bedeutet, sich als Teil einer Gruppe zu fühlen und dort willkommen zu sein. Dafür braucht es keine feste Mitgliedschaft oder enge Freundschaften. In der Sauna kann dieses Gefühl bereits entstehen, wenn sich Menschen regelmäßig begegnen und gemeinsame Abläufe und Erlebnisse teilen. Ob es Freunde, Familienmitglieder oder vertraute Gesichter aus der Therme sind, ist dabei zunächst zweitrangig.
Wöchentlich oder monatlich?
In der größten Befragung zeigte sich ein interessanter Zusammenhang: Wer wöchentlich saunierte, schätzte seine körperliche und seelische Gesundheit häufiger positiv ein. Bei monatlichen Saunabesuchen zeigte sich dieser Zusammenhang nur bei der seelischen Gesundheit. Außerdem fühlten sich Menschen, die jede Woche in die Sauna gingen, stärker mit anderen verbunden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass du dich zu einem festen Wochenrhythmus zwingen musst. Wie oft du saunierst, sollte zu deiner Gesundheit, deinem Alltag und deinem persönlichen Wohlbefinden passen. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit, sondern dass du dich dabei wohlfühlst.
Zugehörigkeit und Gleichklang
Interessant ist vor allem, was hinter diesem Zusammenhang steckt: Wer sich der Gruppe stärker verbunden fühlte, erlebte nach dem Saunagang häufiger positive Gefühle. Eine wichtige Rolle spielte dabei offenbar das Gefühl, mit den anderen auf einer Wellenlänge zu sein. Auch das Empfinden, dazuzugehören und Teil der Gemeinschaft zu sein, stand mit einer besseren Gesundheit in Verbindung. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei der seelischen Gesundheit.
Was die Studie nicht beweisen kann
So interessant die Ergebnisse auch sind: Sie zeigen zunächst nur Zusammenhänge, aber keine eindeutigen Ursachen. Die Teilnehmenden bildeten keine repräsentative Auswahl der Bevölkerung. Vermutlich waren darunter vor allem Menschen, die sich ohnehin für Saunakultur interessieren. Außerdem beruhen die Angaben zum Wohlbefinden auf persönlichen Einschätzungen. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht, und untersucht wurden überwiegend kurzfristige Veränderungen. Welche Auswirkungen das Saunieren langfristig hat, lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch die Frage, ob Saunieren in Gesellschaft gesünder ist als allein, können die Untersuchungen nicht beantworten. Ich sehe die Ergebnisse deshalb eher als Anregung denn als Beweis. Sie machen aber deutlich, dass es sich lohnt, das gemeinsame Erleben und die sozialen Kontakte im Saunaalltag bewusster wahrzunehmen.
Wo Gemeinschaft in der Sauna entsteht
Gemeinschaft sieht nicht überall gleich aus. Je nach Ort verändert sich, wie nah man einander kommt und wie viel man miteinander teilt.
- In der Therme sitzt du oft mit Fremden zusammen. Trotzdem entsteht häufig eine stille Übereinkunft: gleiche Ruhe, gleicher Rhythmus, gegenseitige Rücksicht. Ein kurzer Gruß beim Hereinkommen reicht oft schon als Zeichen von Respekt.
- Zu Hause oder in der Gartensauna bestimmst du den Rahmen selbst. Zeit, Düfte, Gäste und Gesprächsthemen legst du fest. Das macht gemeinsame Rituale leichter, verlangt aber auch Verantwortung, denn du achtest auf die Grenzen deiner Gäste.
- Im Freundeskreis oder Verein wächst mit der Zeit Vertrauen. Dort fällt es leichter, ehrlich zu sagen, wenn jemand eine Pause braucht. Wer sich regelmäßig trifft, kennt außerdem die Gewohnheiten der anderen und kann darauf Rücksicht nehmen.
- Bei besonderen Anlässen wie einem Aufgussabend oder einer Saunanacht teilen viele Gäste ein gemeinsames Erlebnis. Wer so etwas ausprobieren möchte, fragt vorher beim Haus nach Ablauf und Regeln. Das nimmt die Unsicherheit und lässt mehr Raum für den Abend selbst.
Gemeinschaft und Ruhe: Wie passt das zusammen?
Viele suchen in der Sauna vor allem Ruhe und Entspannung. Da stellt sich die Frage, ob Gemeinschaft überhaupt dazu passt. Aus meiner Sicht schon – solange du Gemeinschaft nicht mit ständigem Reden verwechselst.
Gerade die Stille in der Saunakabine ist für mich oft die schönste Form des Miteinanders. Wer schweigend nebeneinander sitzt, teilt trotzdem denselben Raum, dieselbe Wärme und dieselbe Ruhe. Gespräche passen eher in die Zeit davor oder danach, beispielsweise in den Ruhebereich.
Entscheidend ist ein gutes Gespür für die Stimmung im Raum. Merkst du, dass andere ihre Ruhe genießen möchten, hältst du dich zurück. Möchtest du dich unterhalten, suchst du dir dafür einen passenden Moment und Ort. So bleibt die Sauna ein Platz für unterschiedliche Bedürfnisse.
Gemeinschaft ist eine Möglichkeit, keine Pflicht. Auch wer lieber allein sauniert, kann Wärme, Ruhe und Entspannung in vollen Zügen genießen.
Rituale: Was gemeinsames Saunieren besonders macht
Ein besonders schönes Beispiel für ein gemeinsames Ritual ist der Aufguss. Alle sitzen zusammen in der Hitze und erleben denselben Augenblick: den Duft, die aufsteigende Wärmewelle und die Stille davor. Was einen Meditationsaufguss besonders macht, erfährst du in unserem Beitrag „Was ist ein Meditationsaufguss?“.
Auch zu Hause lässt sich dieses Gemeinschaftsgefühl erleben. In der Gartensauna oder Heimsauna kann ein gemeinsamer Aufguss mit Freunden zu einem schönen festen Ritual werden. Wichtig ist dabei, die Vorgaben des Ofenherstellers zu beachten und nur so viel Wasser zu verwenden, wie ausdrücklich erlaubt ist. Meinen Produkt-Tipp dazu findest du ganz unten.
Rituale im eigenen Rhythmus
Ein Ritual muss nichts Besonderes oder Aufwendiges sein. Oft reicht es schon, wenn sich bestimmte Dinge wiederholen: derselbe Wochentag, die vertraute Saunarunde oder eine Tasse Tee danach. Solche Gewohnheiten geben dem Saunagang eine feste Struktur und machen ihn zu mehr als einem gewöhnlichen Termin. Das funktioniert in der Therme genauso wie in der eigenen Heimsauna.
Auch kleine Dinge können viel bewirken: ein vertrauter Platz auf der Bank, ein freundlicher Gruß beim Betreten der Kabine oder der gleiche Duft bei jedem Besuch. Für mich sind es gerade diese Kleinigkeiten, die einen Saunagang vertraut machen. Und wer sich willkommen und vertraut fühlt, findet oft leichter in die gewünschte Entspannung.
Kleine Gesten mit großer Wirkung
Gemeinschaft entsteht meiner Erfahrung nach weniger durch ein festes Programm als durch gegenseitige Rücksichtnahme. Wer leise ist, anderen Platz lässt und ihre Ruhe respektiert, schafft eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können. Worauf es dabei ankommt, erfährst du in unserem Beitrag „Sauna-Knigge: Tipps für einen respektvollen Saunagang“.
Für mich sind es gerade diese kleinen Gesten und gegenseitige Rücksichtnahme, die aus einem Raum voller Fremder eine angenehme Gemeinschaft machen.
So erlebst du Gemeinschaft in der Sauna bewusster
Du brauchst dafür keine Gruppe und kein Programm. Schon kleine Änderungen können das Miteinander spürbarer machen.
- Verabrede dich. Ein fester Saunatermin mit Freunden, Partnerin, Partner oder Familie macht den Saunagang zum gemeinsamen Ritual. Ob monatlich oder öfter, richtet sich nach deinem Alltag.
- Probiere feste Aufgüsse aus. In vielen Saunalandschaften gibt es Aufgüsse zu festen Zeiten. Wer sie öfter besucht, kann dieselben Gesichter wiedersehen und ins Gespräch kommen.
- Lade Neulinge ein. Wer zum ersten Mal mitkommt, ist für ruhige Hinweise dankbar. Erkläre kurz den Ablauf und die Regeln des Hauses. So fühlen sich auch Unsichere schnell willkommen.
- Tausche dich aus. Frag nach dem Lieblingsaufguss, nach dem besten Platz auf der Bank oder nach einem Tipp für die nächste Therme. Solche kleinen Gespräche öffnen Türen, ohne zu überfordern.
Ein gemeinsamer Saunaabend: So könnte er aussehen
Ein Ritual wird greifbar, wenn du es dir als Ablauf vorstellst. Dieser Vorschlag ist eine Anregung, kein Programm. Passe ihn an deine Runde an.
- Ankommen. Triff dich ohne Zeitdruck mit deiner Runde und lass die Handys beiseite. Ein kurzes Gespräch vorab sorgt dafür, dass alle wissen, worauf sie sich einstellen.
- Der erste Gang. Geh in Ruhe hinein und lass die Stille wirken. Wer früher hinausmöchte, geht einfach, ohne sich zu erklären.
- Der Aufguss. In der eigenen Sauna kann ein gemeinsamer Aufguss den Abend prägen, wenn dein Ofen es laut Hersteller erlaubt. In der Therme bietet sich ein Aufguss zu einer festen Zeit an.
- Ausklingen. Setzt euch danach zusammen, trinkt etwas und redet über das, was euch bewegt. Hier kann das Gespräch entstehen, für das im Alltag oft die Zeit fehlt.
Meine Einschätzung
Mein persönlicher Eindruck passt gut zu dem, was auch die Forschenden beschreiben: Eine Sauna fühlt sich anders an, wenn man sich willkommen und gut aufgehoben fühlt.
Für mich liegt der besondere Wert dieser Forschung darin, dass sie den Blick auf einen oft übersehenen Aspekt des Saunierens lenkt: das gemeinsame Erleben. Ein gutes Miteinander lässt sich nicht erzwingen, aber jeder kann ein Stück dazu beitragen, dass es entsteht.
Probiere einfach aus, in welcher Runde du dich am wohlsten fühlst: allein, zu zweit oder in der Gruppe. Die Hitze bleibt dieselbe, doch dein persönliches Saunaerlebnis kann sich dadurch verändern.
Produkt-Tipp*
Das gemeinsame Erlebnis entsteht durch die Menschen in der Runde, nicht durch ein Produkt. Wenn du den Aufguss auch zu Hause ausprobieren möchtest, kann ein Aufgusskonzentrat-Set mit verschiedenen natürlichen Düften eine schöne Ergänzung sein. Denkbar sind beispielsweise Fichtennadel, Kiefer oder Orange.
Mit einem solchen Set lassen sich mehrere Düfte ausprobieren, sodass jeder in der Runde seinen persönlichen Favoriten wählen kann. Achte darauf, dass die Konzentrate ausdrücklich für Saunaaufgüsse geeignet sind, und halte dich an die Dosierungsempfehlung des Herstellers. Wer empfindlich auf Duftstoffe reagiert, sollte entsprechend weniger verwenden oder ganz darauf verzichten.
Redaktioneller Hinweis
Quellen und weiterführende Informationen
Gesundheits- und Fachquellen
- Finnische Regierung (Valtioneuvosto): Finland’s sauna culture inscribed on UNESCO Intangible Cultural Heritage List (Aufnahme am 17.12.2020)
- Universität Greenwich: New research finds collective sauna rituals associated with a deep sense of belonging and greater physical and mental wellbeing (12.03.2026)
Wissenschaftliche Studien
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