Warum die Haut im Winter trocken wird
Im Winter kommen mehrere Belastungen zusammen. Kalte, trockene Außenluft und trockene Heizungsluft entziehen der Haut Feuchtigkeit. Hinzu kommen häufige Temperaturwechsel. Nach Darstellung des AOK-Gesundheitsmagazins spielen außerdem heißes Duschen, aggressive Seifen und das Alter eine Rolle. Auch Kälte kann die Durchblutung der Haut verringern. Die Ursachen trockener Haut sind allerdings vielfältig. Der Winter ist nur einer von mehreren möglichen Auslösern.
Das Ergebnis kennst du vermutlich: Die Haut spannt, schuppt und juckt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Hautbarriere. Sie bildet die oberste Schutzschicht der Haut, hält Wasser zurück und schützt vor Reizstoffen. Wird diese Schicht an Fett und Feuchtigkeit ärmer, reagiert die Haut empfindlicher auf zusätzliche Belastungen.
Was das für deinen Saunagang bedeutet
Damit kommen wir zum Kern der Frage: Es geht weniger darum, ob die Hitze der Sauna der Haut grundsätzlich schadet, sondern vielmehr darum, wie viel zusätzliche Belastung deine Haut gerade verträgt. Wenn du im Winter ohnehin mit rissigen Händen und juckenden Unterschenkeln zu tun hast, solltest du deinen Saunagang bewusster planen als im Sommer. Das bedeutet aber nicht, dass du grundsätzlich auf die Sauna verzichten musst.
Trocknet die Sauna die Haut aus?
Die gute Nachricht zuerst: Die Annahme, dass Sauna die Haut zwangsläufig austrocknet, lässt sich so nicht aufrechterhalten. Eine kontrollierte Untersuchung, die 2008 in der Fachzeitschrift Dermatology veröffentlicht wurde, verglich 41 gesunde Erwachsene zwischen 20 und 49 Jahren. Dabei wurden Menschen, die regelmäßig in die finnische Sauna gingen, einer Kontrollgruppe ohne regelmäßige Saunanutzung gegenübergestellt.
Bei den regelmäßigen Saunagängern war die Barrierefunktion der Haut stabiler. Die oberste Hautschicht konnte mehr Wasser binden, und nach einem Saunagang erholten sich der Wasserverlust und der pH-Wert der Haut schneller. Die Autoren sprechen vorsichtig von einem möglichen Schutzeffekt.
Ich lese das so: Eine Haut, die regelmäßig Wärme und Schweiß ausgesetzt ist, scheint damit möglicherweise besser umgehen zu können.
Dein Hautprogramm rund um den Saunagang
Dusche vor dem Saunagang kurz und nicht zu heiß. Das empfehlen Fachleute auch grundsätzlich bei trockener Haut. Der AOK-Beitrag rät zu einer Duschdauer von weniger als zehn Minuten, zu warmem statt heißem Wasser und zu milden, rückfettenden Reinigungsmitteln. Ein Duschöl ist dabei oft schonender als klassische Seife.
Beim Saunieren kommt es außerdem darauf an, dich gründlich abzutrocknen. Anhaftendes Wasser kühlt die Haut und kann das Schwitzen bremsen. Mehr zum Saunieren in der kalten Jahreszeit findest du im Beitrag „Sauna im Winter: Immunsystem stärken, Haut pflegen & Erkältungen vorbeugen“.
Im Saunaraum: mild statt maximal
Wenn du empfindliche Haut hast, würde ich nicht gleich mit der heißesten Saunastufe starten. Eine mildere Sauna kann angenehmer sein, wenn du Hitze schlecht verträgst. Entscheidend ist, wie deine Haut darauf reagiert. Auch eine Dampfsauna ist nicht automatisch besser für empfindliche Haut, denn hohe Luftfeuchtigkeit und Schweiß können manchen Menschen ebenfalls zu schaffen machen.
Auch bei der Dauer musst du es nicht übertreiben. Als grobe Orientierung gelten acht bis fünfzehn Minuten pro Gang und zwei bis drei Gänge. Passe Dauer und Anzahl an dein Wohlbefinden an. Wenn deine Haut brennt oder juckt oder dir schwindelig wird, verlässt du die Sauna. Bei Aufgüssen lohnt sich außerdem ein Blick auf die verwendeten Düfte, denn stark duftende Aufgüsse können empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Wenn du zu Neurodermitis neigst, findest du hier weitere Informationen: „Dampfsauna bei Neurodermitis: Wie du sicher schwitzt & deine Haut beruhigst“.
Nachher: abkühlen, duschen, eincremen
Nach dem Saunagang ist deine Haut warm und durch den Schweiß feucht. Kühle dich schrittweise ab, spüle den Schweiß mit lauwarmem Wasser ab und tupfe die Haut anschließend trocken. Dann folgt der Schritt, der bei trockener Haut besonders wichtig ist: das Eincremen.
Verwende am besten eine reichhaltige, möglichst parfümfreie Pflege. Für die kalte Jahreszeit empfiehlt die AOK Produkte mit 3 bis 12 Prozent Urea (Harnstoff), die Feuchtigkeit gut in der Haut halten. Wenn deine Haut empfindlich reagiert, ist eine parfümfreie Basiscreme aus der Apotheke eine unkomplizierte Wahl.
Gehst du nach der Sauna bei Frost nach draußen, ist eine reichhaltige Pflege besonders sinnvoll. Lass sie kurz einziehen und schütze unbedeckte Haut zusätzlich vor Kälte. Weitere Pflegetipps findest du im Beitrag „Die richtige Hautpflege nach der Sauna“.
Meine Einschätzung
Aus meiner Sicht muss trockene Haut nicht automatisch bedeuten, dass du auf die Sauna verzichten musst. Entscheidend sind dein Hautzustand, deine persönliche Verträglichkeit und die Pflege danach. Die Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass regelmäßiges Saunieren die Hautbarriere gesunder Menschen nicht beeinträchtigen muss. Ob du die Sauna bei trockener Haut gut verträgst, hängt allerdings immer von deiner individuellen Hautsituation ab.
Den größeren Hebel sehe ich im Alltag: nicht zu heiß und zu lange duschen, nicht jeden Tag Seife auf der gesamten Haut verwenden und nach dem Saunagang konsequent eincremen.
Bei zwei Dingen wäre ich zurückhaltend. Zum einen bei aggressiven Peelings direkt vor oder nach dem Saunagang. Die Wärme macht die Haut ohnehin weicher, und bei trockener Haut solltest du auf zusätzliche mechanische Reizungen verzichten. Zum anderen bei der Vorstellung, die Sauna sei ein Mittel gegen Hautprobleme. Sie ist ein Wohlfühlritual, aber keine Therapie.
Wann du vorsichtig sein solltest
- Akuter Neurodermitis-Schub oder gereizte Haut: In diesem Fall verzichtest du besser auf die Sauna. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund rät laut dem Apothekenportal aponet davon ab, weil Schweiß die ohnehin gereizte Haut zusätzlich belasten kann. Bei ruhiger Haut und guter allgemeiner Hitzeverträglichkeit kannst du vorsichtig mit einer milden Sauna starten. Sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
- Starker Juckreiz, offene Stellen oder großflächige Schuppung: Lass die Beschwerden ärztlich abklären. Trockene Haut kann auch mit Hauterkrankungen oder anderen Ursachen zusammenhängen.
- Akute Infekte oder Fieber: In diesem Fall pausierst du mit dem Saunieren.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und niedriger Blutdruck: Bei bestehenden Erkrankungen solltest du ärztlich klären, welche Saunabelastung für dich geeignet ist. Bei akuten Beschwerden wie Brustschmerzen oder starker Atemnot gehst du nicht in die Sauna und holst umgehend medizinische Hilfe.
- Alkohol: Alkohol gehört nicht zum Saunagang, weder davor noch währenddessen.
Fazit
Trockene Haut und Sauna schließen sich im Winter nicht grundsätzlich aus. Mit einer kurzen, lauwarmen Dusche vorab, einer eher milden Sauna und konsequentem Eincremen danach kannst du die kalte Jahreszeit in der Sauna genießen. Bei akuten Hautschüben, starkem Juckreiz oder offenen Stellen solltest du dagegen pausieren und dich beraten lassen. Am Ende kommt es bei trockener Haut mehr auf die richtige Pflege als auf die Temperatur an.
Produkt-Tipp: Reichhaltige Körperpflege für nach der Sauna
Passend zum Thema Eincremen gehört aus meiner Sicht eine reichhaltige, parfümfreie Körpercreme oder -lotion in jede Saunatasche, die du im Winter benutzt. Eine Urea-Pflege (Harnstoff) kann bei trockener Haut sinnvoll sein. Auf gereizten oder rissigen Hautstellen kann Urea allerdings brennen. Bei offenen Stellen solltest du deshalb die geeignete Pflege ärztlich oder in der Apotheke abklären lassen.
Achte beim Kauf auf nachvollziehbare Angaben zu den Inhaltsstoffen, eine gut verträgliche und möglichst parfümfreie Rezeptur sowie eine Verpackung, aus der sich die Creme einfach dosieren lässt.
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Redaktioneller Hinweis
Quellen und weiterführende Informationen
Gesundheits- und Fachquellen
- AOK Gesundheitsmagazin: Trockene Haut – was hilft? (18.02.2021, aktualisiert 18.02.2026)
- apotheken.de: Die richtige Pflege im Winter (Katrin Stegherr, Stand 01.07.2020)
- aponet.de: Darf man mit Neurodermitis in die Sauna? (Natascha Schleif, 29.03.2025)
- Apotheken Umschau: Schwitz mit! (02.11.2023)
Wissenschaftliche Studien
- Kowatzki D. et al.: Effect of Regular Sauna on Epidermal Barrier Function and Stratum Corneum Water-Holding Capacity in vivo in Humans: A Controlled Study. Dermatology 2008;217(2):173–180
- Friedrich-Schiller-Universität Jena, Hautklinik: Pressemitteilung zur Wirkung regelmäßigen Saunierens auf die Haut (22.02.2006, gefördert von einem Freizeitbad)
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