Stimmt das: Entgiftet die Sauna? Was dein Schweiß wirklich mit sich trägt

Entgiftet die Sauna deinen Körper, wenn dir der Schweiß in Strömen über die Haut läuft? Viele verbinden das Schwitzen mit dem Gefühl, etwas loszuwerden, das nicht in den Körper gehört. Wir sehen uns an, was im Schweiß tatsächlich steckt, welche Organe die Entgiftung übernehmen und was Studien zu dieser Behauptung zeigen.
Symbolbild: Saunazeit / KI

Die Behauptung: Schweiß spült Gifte aus

Die Idee klingt zunächst einleuchtend. Du sitzt in der Hitze, die Haut wird nass, und mit jedem Tropfen scheint etwas aus dem Körper zu verschwinden. In ihrer verbreiteten Form lautet die Behauptung deshalb: Wer kräftig schwitzt, spült Giftstoffe und Schlacken aus und reinigt sich von innen.

Dahinter steht eine Vorstellung, die weit über die Sauna hinausreicht. Unter dem Schlagwort Detox werden Kuren, Tees und Anwendungen angeboten, die angeblich Gifte aus dem Körper holen. Der Medizinforscher Edzard Ernst hat solche Konzepte in einer Fachübersicht untersucht. Sein Urteil fällt deutlich aus, denn aus wissenschaftlicher Sicht ergeben die Prinzipien keinen Sinn, und klinische Belege fehlen.

Doch gilt das auch für die Sauna, in der ja tatsächlich etwas aus der Haut austritt? Um das zu klären, lohnt sich zuerst ein Blick darauf, wozu du überhaupt schwitzt.

Wofür du eigentlich schwitzt

Schwitzen ist in erster Linie eine Kühlung. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, nimmt er Wärme mit und schützt dich so vor Überhitzung.

Auch die Zusammensetzung des Schweißes passt zu dieser Aufgabe. Er besteht nach einer großen Übersichtsarbeit zur Physiologie der Schweißdrüsen vor allem aus Wasser und Kochsalz. Daneben enthält er kleine Mengen weiterer Stoffe, etwa Harnstoff oder Milchsäure. Dass die Schweißdrüsen damit nennenswert Abfallstoffe ausscheiden, ist nach dieser Übersicht allerdings nicht ausreichend belegt.

Anders als die Nieren sind die Schweißdrüsen nicht darauf ausgelegt, Abfallstoffe gezielt aus dem Blut zu filtern und ihre Ausscheidung zu regulieren. Sie dienen in erster Linie der Temperaturkontrolle. Auch das spricht dagegen, Schwitzen als wirksame Entgiftung des Körpers zu betrachten.

Wer im Körper wirklich entgiftet

Wenn nicht der Schweiß, wer dann? Die Antwort ist weniger spektakulär, aber beruhigend. Leber und Nieren sind die Hauptorgane der Entgiftung, und bei gesunden Menschen arbeiten sie so zuverlässig, dass kaum schädliche Stoffe zurückbleiben. Sogenannte Schlacken, die sich angeblich im Körper ablagern, gibt es dagegen nicht.

Wie viel allein die Nieren leisten, zeigen Zahlen eines US-Gesundheitsinstituts. Gesunde Nieren filtern täglich rund 115 bis 140 Liter Blut. Dabei entsteht zunächst eine große Menge Flüssigkeit, von der der Körper den größten Teil wieder aufnimmt. Übrig bleiben etwa ein bis zwei Liter Urin, mit dem überschüssiges Wasser und Abfallstoffe den Körper verlassen.

Für einzelne Schadstoffe gibt es genauere Daten. Der Kunststoffbaustein Bisphenol A wird nach der Aufnahme überwiegend innerhalb von etwa 24 Stunden über den Urin ausgeschieden. Bei Schwermetallen hängt der Ausscheidungsweg vom jeweiligen Stoff ab. Je nach Metall spielen Urin und Stuhl eine wichtige Rolle. Im Vergleich dazu ist die Bedeutung des Schweißes nach heutigem Wissensstand gering.

Was das für den Kater nach einer langen Nacht bedeutet, liest du übrigens im Beitrag „Kater in der Sauna ausschwitzen – geniale Lösung oder gefährlicher Mythos?“.

Was Studien im Schweiß gefunden haben

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Entgiftungsidee trotzdem nicht. Eine Forschergruppe um Stephen Genuis hat in mehreren kleinen Studien Blut, Urin und Schweiß derselben Menschen untersucht. Die Teilnehmer schwitzten dafür in einer Infrarotkabine, im Dampfbad oder beim Sport. Im Schweiß fanden die Forscher verschiedene Umweltstoffe, darunter Schwermetalle und Industriechemikalien.

Die Ergebnisse fielen allerdings gemischt aus. In einer dieser Studien tauchten manche PCB, also langlebige Industriechemikalien, im Schweiß auf, andere dagegen kaum. Die ebenfalls untersuchten perfluorierten Verbindungen gingen nicht in nennenswertem Maß in den Schweiß über. Zudem war die Gruppe klein, und ob es den Teilnehmern danach gesundheitlich besser ging, wurde nicht untersucht.

Warum die Messwerte täuschen können

Hinzu kommt ein Problem bei der Messung, auf das die Übersichtsarbeit zur Schweißphysiologie hinweist. Viele Studien sammeln den Schweiß so, dass er mit Rückständen von der Hautoberfläche verunreinigt werden kann. Abgeschabter Schweiß enthält demnach vier- bis zehnmal mehr Fett als sauberer Schweiß. Fettlösliche Schadstoffe können in der Probe deshalb stärker vertreten sein als im Schweiß selbst.

Bei den Schwermetallen ist es ähnlich. Die oberste Hautschicht enthält selbst Stoffe wie Arsen und Blei, die dann in der Probe landen können. Hohe Werte im Schweiß belegen also nicht, dass der Körper diese Stoffe gezielt über die Haut abgibt. Für eine solche gezielte Abgabe ist nach der Übersicht auch kein Mechanismus bekannt.

Beim Bisphenol A widersprechen sich die Studien sogar. Eine fand den Stoff bei den meisten Teilnehmern im Schweiß, aber nur bei wenigen im Blut. Eine andere wies ihn dagegen im Urin nach, im Schweiß aber kaum.

Sauna oder Laufband: ein überraschender Vergleich

Spielt es eine Rolle, wie du ins Schwitzen kommst? Eine kleine Studie hat genau das verglichen. Junge, gesunde Studierende schwitzten einmal beim Laufen auf dem Laufband und einmal beim ruhigen Sitzen in einer Schwitzkabine. In beiden Fällen bildeten sie ähnlich viel Schweiß.

Trotzdem enthielt der Schweiß aus der Kabine deutlich weniger Nickel und Blei als der Schweiß vom Laufband. Bei Kupfer und Arsen fiel der Unterschied kleiner aus, bei Quecksilber ließ sich kein sicherer Unterschied feststellen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Art des Schwitzens die gemessenen Metallkonzentrationen beeinflussen kann. Ob dadurch tatsächlich mehr Schadstoffe aus dem Körper entfernt werden, lässt sich aus dieser kleinen Studie allerdings nicht ableiten.

Allerdings hat die Studie klare Grenzen. Die Kabine war mit 45 Grad viel kühler als eine finnische Sauna, die Gruppe war klein, und gemessen wurde nur der Schweiß, nicht die Belastung im Körper. Sie deutet allenfalls an, dass reine Hitze nicht automatisch mehr Schadstoffe in den Schweiß bringt.

Was belegt ist und was nicht

Ordnen wir die Befunde einmal. Belegt ist, dass sich im Schweiß Spuren verschiedener Umweltstoffe nachweisen lassen. Belegt ist ebenso, dass Leber, Nieren und Darm die Hauptarbeit bei der Ausscheidung leisten und dass Schweiß vor allem der Kühlung dient.

Nicht belegt ist dagegen, dass ein Saunagang die Schadstoffbelastung im Körper spürbar senkt. Es fehlen Studien, die vorher und nachher messen und einen gesundheitlichen Nutzen zeigen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Wege der Körper zum Ausscheiden nutzt.

So scheidet dein Körper Stoffe aus

Weg Hauptaufgabe Rolle bei Schadstoffen Quelle
Leber Entgiftung, gemeinsam mit den Nieren eines der Hauptorgane der Entgiftung Verbraucherzentrale
Nieren und Urin filtern rund 115 bis 140 Liter Blut am Tag, daraus etwa 1 bis 2 Liter Urin Hauptweg zum Beispiel für Bisphenol A NIDDK, Baker 2019
Darm Ausscheidung über den Stuhl je nach Metall ein wichtiger Weg für Schwermetalle Baker 2019
Schweiß Kühlung durch Verdunstung, vor allem Wasser und Kochsalz gering, Entgiftung nicht belegt Baker 2019

Literangaben aus US-Einheiten umgerechnet und gerundet. Vereinfachte Übersicht, individuelle Unterschiede sind möglich.

Warum sich der Mythos so hartnäckig hält

Wenn sich die Entgiftung nicht belegen lässt, warum glauben trotzdem so viele daran? Ein Grund liegt nahe: Schweiß ist sichtbar. Du siehst ihn, du spürst ihn, und nach dem Duschen fühlst du dich frisch. Das Gefühl, etwas losgeworden zu sein, entsteht dabei ganz von selbst.

Ein zweiter Grund sind die Studien selbst. Dass im Schweiß Schadstoffe gefunden wurden, stimmt ja. Wird daraus jedoch die schlichte Formel „Sauna entgiftet“, fehlt der entscheidende Teil, nämlich wie viel ausgeschieden wird und im Vergleich zu welchem anderen Weg.

Schließlich verdienen manche Anbieter am Wort Detox. Ernst weist darauf hin, dass solche Angebote Einkommen für Anbieter schaffen und Verbrauchern schaden können. Zudem ist der Begriff „Detox“ gesetzlich nicht definiert, er garantiert also keine bestimmte Wirkung.

Was die Sauna stattdessen kann

Die gute Nachricht ist, dass die Sauna das Entgiftungsversprechen gar nicht braucht. Eine Übersichtsarbeit in einer medizinischen Fachzeitschrift bringt regelmäßiges Saunieren mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Die Daten stammen allerdings überwiegend aus Beobachtungsstudien, die Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursache beweisen.

Als mögliche Erklärung nennen die Autoren unter anderem einen sinkenden Blutdruck, wobei viele Mechanismen noch nicht gut verstanden sind. Ein Saunagang ist also keine innere Reinigung, sondern eine Wärmeanwendung mit eigenen Wirkungen auf Kreislauf und Wohlbefinden.

Das kannst du selbst bemerken

Fahr dir nach einem Saunagang einmal mit der Zunge über die Lippen, denn der Schweiß schmeckt salzig. Das ist das Kochsalz, das neben Wasser den Hauptteil des Schweißes ausmacht. Achte außerdem darauf, dass du nach der Sauna zunächst weniger Urin ausscheiden kannst, solange du noch nicht ausreichend nachgetrunken hast. Dein Körper hält über die Nieren Wasser zurück, weil er beim Schwitzen Flüssigkeit verloren hat. Wer sich das Nachtrinken leichter machen möchte, findet meinen Produkt-Tipp dazu ganz unten.

Meine Einschätzung

Ich verstehe gut, warum die Entgiftungsidee so beliebt ist. Sie gibt dem Schwitzen einen Sinn, den man sehen und spüren kann. Aus meiner Sicht tut man der Sauna damit aber keinen Gefallen, weil ein Versprechen, das sich nicht halten lässt, von dem ablenkt, was sie wirklich ausmacht.

Mich stört vor allem eine Folge des Mythos. Wer glaubt, er schwitze Schadstoffe oder einen Kater aus, bleibt womöglich länger in der Hitze, als ihm guttut. Ich halte es deshalb für ehrlicher, die Sauna als das zu genießen, was sie ist, nämlich Wärme, Ruhe und Abkühlung im Wechsel. Das ist für mich Grund genug.

Worauf du achten solltest

Weil du in der Sauna vor allem Wasser und Salz verlierst, ist das Nachtrinken der eigentliche Ausgleich und nicht noch ein zusätzlicher Gang. Wie viel Flüssigkeit beim Schwitzen verloren geht, liest du im Beitrag „Schwitzen in der Sauna: Wie viel Flüssigkeit verliert man wirklich?“.

Sei zudem skeptisch bei Programmen, die mit Entgiftung durch Schwitzen werben. In Studien zu solchen Programmen wurde teils mehrere Stunden am Tag geschwitzt, oft kombiniert mit Diät und Sport. Das hat mit einem gewöhnlichen Saunabesuch wenig zu tun. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ist die Sauna keine Hilfe, dann rufst du den Giftnotruf oder den Rettungsdienst.

Als grobe Orientierung gelten acht bis fünfzehn Minuten pro Gang und zwei bis drei Gänge. Passe Dauer und Anzahl an dein Wohlbefinden an. Wird dir schwindelig oder unwohl, verlässt du die Sauna.

Alkohol gehört nicht zum Saunagang, weder davor noch währenddessen. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder niedrigem Blutdruck solltest du ärztlich klären, welche Saunabelastung für dich geeignet ist. Bei akuten Beschwerden wie Brustschmerzen oder starker Atemnot gehst du nicht in die Sauna und holst umgehend medizinische Hilfe.

Fazit

Entgiftet die Sauna also? Nach heutigem Wissen in der Regel nicht in einem Maß, das für deinen Körper eine Rolle spielt. Schweiß kühlt dich und besteht vor allem aus Wasser und Salz, während Leber, Nieren und Darm die Ausscheidung von Schadstoffen übernehmen. Dass sich Spuren von Umweltstoffen im Schweiß finden, macht die Sauna deshalb noch nicht zur Entgiftungskur.

Geh also nicht in die Sauna, um etwas auszuschwitzen, sondern um dich aufzuwärmen, zu entspannen und abzukühlen. Trink danach ausreichend, und beende einen Gang, sobald er dir nicht mehr guttut.

Produkt-Tipp

Eine Trinkflasche* für die Saunatasche erinnert dich daran, zwischen den Gängen und nach dem letzten Gang etwas zu trinken. So gleichst du aus, was du beim Schwitzen tatsächlich verlierst, nämlich vor allem Wasser. Achte beim Kauf darauf, dass der Hersteller die Flasche als auslaufsicher angibt, und lass sie während des Saunagangs draußen im Ruhebereich.

Angebot AOPREL Trinkflasche 1L Tritan BPA-Frei Wasserflasche Mit...


Redaktioneller Hinweis
Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlichen Studien und Übersichtsarbeiten zur Physiologie des Schwitzens sowie auf Angaben von Gesundheits- und Verbraucherinstitutionen. Der Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Unsere Beiträge entstehen mit KI-Unterstützung und werden von der Redaktion geprüft und verantwortet. *Mit Sternchen gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links: Wenn du über einen solchen Link einkaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Stand der Recherche: 08.11.2026
Quellen und weiterführende Informationen

Gesundheits- und Fachquellen

Wissenschaftliche Studien

Du liebst diesen Blog?

Mache uns zu deiner BEVORZUGTEN GOOGLE-QUELLE. [Klicke hier, um uns zu priorisieren.]

Google Search →