Sechs Streitfragen für den Saunaknigge
In der Sauna gibt es nur wenige feste Regeln, dafür aber viele ungeschriebene. Im Mittelpunkt steht dabei fast immer die Rücksicht auf andere Gäste. Überlege dir bei jeder Frage zunächst, wie du selbst entscheiden würdest. Anschließend erfährst du, was Saunafachleute dazu sagen und welche Regeln in verschiedenen Saunaordnungen festgehalten sind.
Die sechs Fragen im Check
1. Handtuch auf der Bank: ja oder nein?
Hier ist die Antwort eindeutig: ja. In der Sauna gilt das Motto „Kein Schweiß aufs Holz“. Deine Haut soll also nicht direkt mit der Bank in Berührung kommen. Das Handtuch muss deshalb groß genug sein, dass der ganze Körper darauf passt.
Auch Saunaordnungen halten das schriftlich fest. Die Frankfurter Saunaordnung verlangt zum Beispiel ein Saunatuch, das der Körpergröße entspricht. Auf den Ruheliegen ist dort ebenfalls eine körpergroße, trockene Unterlage oder ein Bademantel Pflicht. Ein kleines Tuch nur unter dem Po reicht also in der Regel nicht aus. Mein Produkt-Tipp dazu steht ganz unten.
2. Reden in der Sauna: erlaubt?
Das hängt vom Haus ab, aber die Grundregel lautet Ruhe. Ein freundliches „Guten Tag“ in angenehmer Lautstärke ist höflich. Danach solltest du weder andere Gäste ansprechen noch mit deiner Begleitung reden, auch nicht flüsternd. So rät es Saunameister Olaf Wimmer vom Deutschen Sauna-Bund. Viele Gäste wollen nach einem stressigen Tag einfach nur abschalten.
Es gibt allerdings Ausnahmen: In Event-Saunen darf beim Aufguss sogar geklatscht und angefeuert werden. Zu festen Stammgast-Zeiten unterhalten sich die Gäste ebenfalls. Die Frankfurter Saunaordnung verbietet dagegen laute Gespräche und wünscht ein ruhiges, dezentes Verhalten. Am sichersten ist es deshalb, in der Kabine zu schweigen und das Gespräch nach dem Saunagang draußen fortzusetzen.
3. Handy in der Sauna: wirklich tabu?
In der Kabine hat das Handy nichts zu suchen, ebenso wenig wie Musik, Zeitungen oder Bücher. Viele Saunaordnungen gehen noch einen Schritt weiter. In Frankfurt sind Telefonieren, Fotografieren und Filmen verboten. Smartphones und Tablets dürfen dort nur mitgenommen werden, wenn die Kameralinse mit einem Aufkleber des Betreibers abgeklebt ist.
Ein anderes Haus verbietet Smartphones, Tablets und Geräte mit Kamera im gesamten Saunabereich. Die Regeln unterscheiden sich also von Sauna zu Sauna. Dein Handy ist im Spind deshalb am besten aufgehoben.
4. Handtuch umbinden: Darf ich mich verhüllen?
In Deutschland ist Badekleidung in der Sauna aus hygienischen Gründen tabu. Ausnahmen sind spezielle Textilsaunen. Das heißt aber nicht, dass du dich komplett nackt zeigen musst. Wer sich unwohl fühlt, kann sich laut Olaf Wimmer gern ein Handtuch umschlingen.
Die Hausregeln sehen das allerdings nicht überall gleich. In Frankfurt ist die Nutzung der Saunen nur unbekleidet gestattet. Ein anderes Haus nennt seinen Saunabereich ausdrücklich einen FKK-Bereich. Lies deshalb vor dem ersten Besuch die Saunaordnung, denn sie gilt in diesem Haus.
5. Liege mit Handtuch reservieren: okay?
Eher nicht. Die Frankfurter Saunaordnung verbietet es, Liegen und Stühle dauerhaft mit Handtüchern, Taschen oder anderen Gegenständen zu belegen. Das Personal räumt solche Dinge bei Bedarf ab. Der Ruhebereich ist schließlich für alle da.
Wer eine Liege länger belegt, ohne dort zu sein, nimmt anderen den Platz. Mein Tipp: Nimm dein Handtuch mit, sobald du die Liege verlässt.
6. Wenn andere stören: ansprechen oder schweigen?
Hier raten Fachleute zur Zurückhaltung, aber nicht in jedem Fall. Bei Platzproblemen solltest du auf Ansagen wie „Rückt mal zusammen“ verzichten, denn jede Diskussion bringt nur Unruhe. Stört dich dagegen ein Gespräch, kannst du die Redenden höflich um Ruhe bitten.
Oft führen Gäste ein Gespräch einfach fort, das sie vor der Kabine begonnen haben, und merken gar nicht, dass sie stören. Entscheidend ist der Ton. Ein leiser, freundlicher Hinweis wirkt anders als eine Zurechtweisung. Ebenso gehört es zum guten Ton, andere nicht direkt mit der Haut zu berühren und sich nicht unnötig breitzumachen.
Meine Einschätzung
Nach über 35 Jahren in der Sauna habe ich für mich eine klare Haltung entwickelt: Regeln sind keine Schikane, sondern sorgen dafür, dass sich alle wohlfühlen können. Ein ausreichend großes Handtuch gehört für mich genauso dazu wie das Handy im Spind. Hier geht es um Hygiene und Rücksichtnahme. Beim Reden oder beim Umbinden eines Handtuchs kommt es dagegen auch darauf an, welche Regeln im jeweiligen Haus gelten und wie die Situation aussieht.
Letztlich soll ein Saunabesuch entspannen und nicht zum Regelwettbewerb werden. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und gleichzeitig auf andere Rücksicht nimmst. Wenn du unsicher bist, wirf lieber einen Blick auf die Hausordnung oder frag freundlich nach, statt andere Gäste zu belehren.
Rücksicht heißt auch: auf dich selbst achten
Zum Saunaknigge gehört ein Gedanke, der oft vergessen wird: Du darfst jederzeit gehen. Wird dir schwindelig oder unwohl, verlässt du die Sauna, und zwar ohne schlechtes Gewissen. Das ist kein Regelverstoß, sondern Rücksicht auf dich selbst. Wenn du dabei ruhig und leise hinausgehst, stört das auch die anderen Gäste nicht.
Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder niedrigem Blutdruck solltest du ärztlich klären, welche Saunabelastung für dich geeignet ist. Bei akuten Beschwerden wie Brustschmerzen oder starker Atemnot gehst du nicht in die Sauna und holst umgehend medizinische Hilfe. Bei Fieber oder einem akuten Infekt pausierst du die Sauna, bis du wieder fit bist. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fazit
Der Saunaknigge ist im Kern einfach: Handtuch unter den ganzen Körper, Handy in den Spind und Ruhe in der Kabine. Bei Textil, Reden und Reservieren entscheidet die Saunaordnung des Hauses, deshalb lohnt der Blick auf den Aushang. Und wenn dich jemand stört, hilft ein höflicher Ton mehr als eine Ansage.
Wie siehst du das?
Zu manchen dieser Fragen gibt es keine endgültige Antwort, weil Haus, Tageszeit und Gäste den Ton bestimmen. Vielleicht siehst du manches anders als die Saunameister und Hausordnungen, die ich oben genannt habe. Überlege einmal, welche Regeln dir besonders wichtig sind und wo du selbst etwas großzügiger bist. Denn beim Saunieren hat jeder seine eigenen Erfahrungen und Gewohnheiten.
Teile diesen Beitrag gern mit anderen Saunafreunden. Vielleicht entdeckt ihr dabei ganz unterschiedliche Ansichten über das richtige Verhalten in der Sauna. Gesprächsstoff gibt es jedenfalls genug.
Mehr zu den Gewohnheiten im Alltag erfährst du in „Gewohnheiten erfahrener Saunagänger“. Wie es im Ausland zugeht, liest du in „Sauna-Etikette im Ausland: Was in Finnland, Österreich, Ungarn, Island und anderen Ländern gilt“. Wer mit der Familie saunieren möchte, findet Hinweise in „Sauna mit Kindern im Winter: Abkühlen, Anziehen, Warmbleiben“.
Produkt-Tipp*
Ein ausreichend großes Saunatuch ist nicht nur eine Frage der Hausordnung, es macht den Saunabesuch auch angenehmer. Es trägt den ganzen Körper, du musst nichts zurechtzupfen und kannst dich entspannt zurücklehnen. Achte beim Kauf auf eine Größe, die zu deiner Körpergröße passt, und beachte die Pflegehinweise des Herstellers, etwa zur Waschtemperatur.
Redaktioneller Hinweis
Quellen und weiterführende Informationen
Gesundheits- und Fachquellen
- Apotheken Umschau (Katja Sponholz, dpa): Richtig schwitzen: So vermeiden Sie Sauna-Fettnäpfchen, 06.12.2024
- Apotheken Umschau (Senioren Ratgeber): Schwitz mit!, aktualisiert am 02.11.2023
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