Kurzgeschichten

Einsam aber gemeinsam in der Sauna Teil 2

In der folgenden Woche trafen sich Emma und Lothar wieder in der kleinen Sauna. Er war schon da, als sie gerade kam.

Einsam aber gemeinsam in der Sauna Teil 2
Einsam aber gemeinsam in der Sauna Teil 2

Kurzgeschichte von Lina Monna

„Ich hatte Angst, dass du mich nicht wiedersehen willst“, sagte er zur Begrüßung. „Dich nicht wiedersehen? Lothar du spinnst wohl. Ich habe mich auf heute gefreut wie ein Schnitzel“, entgegnete Emma. Er war der Einzige, mit dem sie sich unterhalten konnte. Schließlich wusste man nie. Hier in der kleinen Stadt wurde viel getratscht. Da machten ihre Kollegen keine Ausnahme, auch wenn sie sich für cool hielten. Lothar war da anders, zumindest glaubte Emma das.

„Auf was hast du Lust“, fragte Lothar. Emma wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Sie überlegte eine Weile. „Lass uns doch in die Panorama-Sauna gehen“, schlug Lothar vor. „Is gut“, antwortete sie und folgte ihm auf die vollkommen leeren Holzbänke. „Erzähl mir was von dir“, forderte der alte Herr. „Da gibt es nicht viel zu erzählen“, antwortete Emma. Sie wusste einfach nicht, wo sie anfangen sollte. Was interessierte ihn denn? Sie wollte Lothar nicht langweilen. Klar, da gab es einiges zu sagen, aber das erschien ihr so unbedeutend. Immerhin hatte er in seinen 83 Jahren schon so viel mehr erlebt als sie.

„Fang einfach an. So schwer kann das nicht sein. Sag mir einfach, wo du aufgewachsen bist, dann wird das schon“, die Stimme von Lothar unterbrach ihre Gedanken. „Also gut, ich komme eigentlich aus Nürnberg. Da war das Leben so anders als hier in der kleinen Stadt. Ich hatte nur die Menschen um mich herum, die ich wollte. Hier muss ich mich immer mit den Menschen abgeben, die ohnehin zufällig in meiner Nähe sind. Meine Nachbarin meint zum Beispiel, sie hätte das Recht auf einen täglichen Tratsch. Ich kann ihr Gelaber aber nicht mehr hören“, erzählte sie.

„Was hast du in Nürnberg gemacht?“, wollte Lothar wissen. „Was man halt so macht in jungen Jahren. Ich bin zur Schule gegangen und habe studiert – Grafikdesign. Da habe ich auch Nick kennengelernt. Und als meine Eltern gestorben sind, bin hierhin in die kleine Stadt gekommen. Mich hat einfach nichts mehr zu Hause gehalten. Und jetzt ist Nick weg, das weißt du ja schon. Aber was ist denn mit dir? Dein Leben war sicher spannender als meins“, fragte sie zurück.

 

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Unangenehme Fragen

„An was sind deine Eltern gestorben?“, Lothar gab einfach nicht auf. „Darüber mag ich jetzt nicht sprechen, es war keine leichte Zeit für mich.“ Emma hoffte, dass die Diskussion damit beendet war. Sie wollte sich heute Abend entspannen und nicht diese alten Geschichten wälzen. Und was war eigentlich mit ihm? Warum gab er nichts aus seinem Leben preis? Die Chance, diese Fragen zu stellen bekam sie nicht. Die Weizen-Clique war einmal mehr im Anmarsch. Der Dickste von ihnen riss die Tür auf – und setzte sich direkt neben Emma.

Sie konnte seine Haut an ihrer spüren und ihn riechen. Eine Mischung aus Weizenbier, Zigaretten und Schweiß. „Na, wo hast du denn dein halbes Hemd gelassen?“, fragt der dicke Mann. Emma starrte ihn entgeistert an. Was wollte der Typ von ihr? Lothar beobachtete die Situation, fackelte aber nicht lange. Zielstrebig verließ er die Sauna und Emma folgte ihm.

„Die nerven mich wirklich“, sagte Lothar. Er hatte sich gerade mit Emma auf die kleine Bank im Garten gesetzt. Sie bat ihm eine Zigarette an, die sich der alte Mann gleich ansteckte. Eine Weile saßen sie so da, schweigend und rauchend. Emma genoss die Stille. „Wie wäre es mit einer Weinschorle. Die Jungs sind ja gerade beschäftigt. Diesmal zahle ich“, lud sie den alten Herren ein. „Bar ist eine gute Idee. Für mich aber mit Apfelsaft“, antwortete der.

An der Bar öffnete sich Lothar endlich ein wenig. „Du hast mich vorhin gefragt, wo ich eigentlich herkommen. Ich bin aus Frankfurt in die kleine Stadt gekommen. Der Bundesgrenzschutz hat mich hierhin gebracht. Der war damals im Kalten Krieg ein großer Arbeitgeber und hat gut gezahlt. Nebenbei habe ich immer viel geboxt und als das nicht mehr ging, bin ich auf Tennis umgestiegen. Aber das weißt du ja schon. Mein Leben war viel langweiliger als deins. Die Weizentrinker scheinen ein Augen auf dich geworfen haben“, Lothar grinste ein wenig.

Ja, das hatten sie wohl. Bislang war das Emma nicht so sehr aufgefallen. Sie war ja immer mit Nick in die Sauna gekommen. Aber jetzt schien sie Freiwild zu sein. Aus dem Weg gehen konnte sie ihnen nicht in der kleinen Anlage. Aber hey. Sie würde damit schon klarkommen. „Was ist denn mit deiner Gymnastik? Willst du heute gar nicht turnen“, fragte sie. „Ich würde schon wollen. Ich hatte aber aber Angst, dass du das merkwürdig findest. Machst du mit?“ Emma lächelte. Sie fand es nett von dem alten Mann, dass er an sie gedacht hatte. Aber mitmachen? Nein.

Kreislaufbeschwerden bei Lothar

„Wärst du mir böse, wenn ich dir einfach zusehe“, sagte sie. Lothar schüttelte den Kopf und schritt nach draußen. Er setzte gleich zum Hampelmann an. Diesmal trug Lothar ein ein Handtuch um seine Hüften. Aber sie fand seine Turnerei nicht mehr lächerlich. Im Gegenteil. Sie bewunderte Lothar für seinen Mut. Und hey, er musste sich für seinen Körper wirklich nicht verstecken. Immerhin war er schon über 80 Jahre alt. Dann bekam Lothar aber plötzlich einen roten Kopf. Er hustete und musste sich setzen. Emma war erschreckt. Was war bloß mit ihm los?

Sie eilte nach draußen, ging zu der Bank auf die sich Lothar gesetzt hatte. „Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie. „Jaja, ich überschätze mich nur manchmal etwas. In meinem Alter ist das aber vollkommen normal“, antwortete Lothar. Emma ging wieder nach drinnen und brachte ihm seine Saftschorle. Er nahm ihr das Glas dankend ab und nahm einen tiefen Schluck. „Ich glaube ich werde jetzt nach Hause gehen. Ich leg mich wohl lieber früh schlafen. Immerhin muss ich morgen will ich morgen wieder zu Tafel“, sagte Lothar.

Ganz beruhigt war Emma immer noch nicht. Aber er schien seinen Körper einschätzen zu können. Sie verabredeten sich für die kommende Woche. Emma bliebt noch eine Weile in der kleinen Sauna. Ohne Lothar hatte sie aber nicht sonderlich viel Spaß – und so ging sie auch nach Hause.

Am folgenden Sonntag machte sie sich mit viel Vorfreude auf den Weg. Aber als sie die Sauna betrat, war kein Lothar zu sehen. Vielleicht verspätete er sich. Sie setzte sich in den Whirlpool und wartete. Als eine Stunde vergangen war, glaubte sie nicht mehr an eine Verspätung. Sie fasste sich ein Herz und ging an die Bar zur Weizentrinker-Clique. Die Herren schienen immerhin in der kleinen Stadt gut vernetzt zu sein.

„Haben Sie etwas von Lothar gehört?“, fragte sie. „Wer. Ich kenn keinen Lothar“, sagte der Dicke. Er stierte sie an. „Na der ältere Herr, der hier immer seine Übungen macht“, erklärte Emma. „Ne, den hab ich heute noch nicht gesehen. Hat er dich wohl sitzen lassen“, fragte der Dicke mit einem hämischen Grinsen. Emma drehte sich auf der Stelle und ging zu einem Liegestuhl. Wo konnte Lothar nur sein? Vergessen hatte er sie sicher nicht. Oder doch? Immerhin wusste sie eigentlich rein gar nichts über ihn. Vielleicht hatte sie ihn verletzt?

 

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Die Fragen arbeiteten in Emmas Kopf. Sie beschloss zu gehen. Ohne Lothar war es einfach nicht zu ertragen in der Sauna. Auch zu Hause dachte sie noch viel über den Mann nach. Ihr kamen seine Turnübungen aus der vergangenen Woche wieder in de Sinn. Immerhin musste er seine geliebten Übungen abrechen. Das war doch ein Zeichen dafür, dass etwas mit ihm nicht stimmte. So etwas hatte sie noch nie beobachtet. Aber wie sollte sie Lothar finden? Klar, er hatte ihr erzählt, dass er bei der Tafel arbeitete. Könnte sie dort einfach vorbei gehen? Oder würde das Lothar verschrecken?

Über diesen Gedanken konnte sie endlich einschlafen. Aber am nächsten Morgen machten sich die Sorgen aber wieder breit. Sie musste einfach erfahren, ob es Lothar gut ging. Also rief sie ihren Chef an und sagte, dass sie später kommen würde. Sie behauptete, dass sie zum Arzt muss. Auch in der Tafel warteten sie auf Lothar. „Der kommt immer ganz früh und nimmt die Waren an“, erklärte ihr eine stämmige Frau. „Hat er sich bei Ihnen entschuldigt“, fragte Emma zurück. „Ne hat er nicht. Vielleicht hat er aber einfach nur verschlafen“, die Frau schien nicht sonderlich besorgt zu sein. „Wer sind sie überhaupt?“ „Nur eine Freundin. Ich mache mir Sorgen um ihn, weil er gestern nicht zu einem Treffen aufgetaucht ist“, sagte Emma. „Hm“, die Frau packte einfach weiter Salat-Köpfe in Körbe.

 

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Emma macht sich um Lothar sorgen

Jetzt war sich Emma sicher, dass etwas passiert sein musste. Das passte einfach nicht zu Lothar. Sie kannte ihn zwar noch nicht sonderlich lang. Aber in den wenigen Stunden mit ihm hatte sie ihn als sehr zuverlässig kennen gelernt. Aber wie sollte sie ihn finden? Immerhin kannte sie noch nicht einmal seinen Nachnamen.

Sie meldete sich bei ihrem Chef für den gesamten Arbeitstag ab – und ging zum Tennisplatz. Auch hier hatten die Leute schon länger nichts mehr Lothar gehört. „Der gibt sonst immer am Mittwoch Tennisstunden. Aber letzte Woche ist er einfach nicht gekommen. Vielleicht wird der alte Herr etwas vergesslich. Aber warum interessieren Sie sich dafür?“, sagte ein netter Mann. „Ich bin eine Freundin von ihm. Können Sie mir vielleicht seinen Nachnamen verraten?“, fragte Emma. „Wie käme ich denn dazu? Sie wollen eine Freundin sein und kennen nicht mal seinen Nachnamen? Der wird schon auftauchen. Schauen Sie halt am Mittwoch noch einmal vorbei“, der Mann schüttelte den Kopf und ging von dannen.

Klar, am Mittwoch wieder zu kommen, wäre eine Option. So lange wollte Emma aber nicht warten. Sie sorgte sich um Lothar und wollte ihn finden. Aber einen Plan, wie das gehen sollte, hatte sie noch nicht. Nun war guter Rat teuer.

 

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