Kurzgeschichten

Der Toaster des Schreckens 

Manfred, Hubert und Hans treffen sich jeden Samstag in der Sauna des städtischen Bades. Das ist zwar nur ein warmer Raum aus Holz, aber immerhin können sie hier so sein, wie sie wollen. Sie dürfen ihr Bier selber mitbringen und auch kleine Snacks packen sie in ihre Badetaschen. Die Ehefrauen der drei haben bei diesem Ritual nichts verloren.

Der Toaster des Schreckens
Der Toaster des Schreckens

Kurzgeschichte von Lina Monna

Sollen sie doch froh sein, die Weiber. Immerhin betrinken sie sich nicht am Stammtisch. So ganz nüchtern kommen sie aber auch nicht aus der Sauna heim. Sie lösen stets eine Karte für drei Stunden, das ist günstig. Und um die neuesten Neuigkeiten auszutauschen, reicht die Zeit allemal.

„Ich esse noch eines mit Leberwurst“, brüllt Hubert. Er nimmt gerade eine ziemlich verkohlte Scheibe Brot aus dem Toaster. Den hat Hans heute zum ersten Mal mitgebracht. Nach einer Steckdose mussten sie zwar eine Weile suchen. Das kleine Gerät machte ihren samstäglichen Ausflug ins Bad aber erst so richtig vollkommen. Endlich hatten sie warmes Essen, ohne sich labbrigen Pommes am Kiosk kaufen zu müssen. Die kosteten auch immerhin zwei Euro. Unverschämtheit. Da schon lieber der Toast. Die drei hatten sich abgesprochen. Hans hatte den Toaster mitgebracht, Manfred die Leberwurst und Hubert Pressack. Natürlich hatte jeder noch vier Flaschen Bier mitgeschleppt – und so schlemmten sie.

 

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Belehrung vom Bademeister

„Zuhause darf ich des ja nicht. Meine Frau will, dass ich abnehme“, beklagt sich Hubert lautstark. Überhaupt unterhalten sich die drei Herren heute besonders laut. Der eine oder andere Badegast schaut bereits Griesgrämig zu ihnen herüber. Daran stören sie sich aber nicht. Sollten die Leute doch denken, was sie wollten. Sie zogen ihr Ding durch. An diesem Samstag sind sie aber besonders nervig. Das fällt auch dem Bademeister auf. Er geht zu den drei – und traut seinen Augen kaum. Ein Toaster? Wer kommt auf die Idee, einen Toaster mitzunehmen?

„So geht das aber nicht meine Herren. Sie können keine technischen Geräte mit ins Bad nehmen. Hier ist überall Wasser“, schimpft er. „Was soll schon passieren?“, fragt Hubert zurück. Der Bademeister erklärt, dass es einen Kurzschluss geben könnte. Die drei Stammtischler lachen lauthals los. „Und wenn schon, dann ist das unser Problem. Wird hier schon nicht brennen, ist ja überall Wasser. Vor allem ist das mein Toaster. Das ist Qualität“, doziert Hans. Der Bademeister fordert sie dennoch auf, das Gerät auszuschalten. Aber Hans, Hubert und Manfred denken gar nicht daran. Trotzdem zieht der junge Mann von Dannen. Immerhin sind die drei gute Stammgäste. Er will es sich mit ihnen nicht verscherzen.

Die stecken die nächste Runde Brote in den Toaster. Wie gut, dass Hans den mit vier Schlitzen mitgebracht hatte. So haben sie immer gleichzeitig warmes, krosses Brot. Dieses Mal gibt es für alle Pressack. Der schmeckt so herrlich. Wo Hubert den bloß her hat? „Den macht mein Metzger jeden Freitag. Musste aber vorbestellen“, informiert er der die anderen. Sie schmatzen und krümeln. „Jetzt bin aber satt“, stellt Manfred fest. Die anderen überlegen kurz – und nicken. „Is eh gleich Aufguss. Gemma?“, fordert Hans seine Freunde auf. „Ach, ich weiß net, jetzt so mit vollem Magen“, wendet Hubert ein. Manfred und Hans schauen ihn grimmig an. „Immerhin zahlen wir genau dafür Eintritt“, schimpft Hans. Das Argument zieht – und die drei machen sich in die Sauna auf.

Böse Blicke in der Sauna

Sie sind wie immer spät dran, das stört sie aber nicht. Wie immer. Sie quetschen sich noch auf die untere Reihe. Mit ihnen gelangt auch der Duft von fettigem Essen in die kleine Schwitzhütte. Sehr zum Leidwesen der anderen Badegäste. Aber jetzt gibt es kein Entkommen mehr. Marc, der junge Bademeister, hat bereits den Raum betreten. In gewohnter Manier spult er seinen Spruch ab und kippt die erste Kelle Wasser über die Saunasteine. Der Duft von Zitrone besiegt den Gestank von fettigem Essen. Wenigstens. Hans genießt die Aufgüsse immer ganz besonders. Als der Bademeister mit dem Verwedeln beginnt, schließt er die Augen.

Währenddessen steht der Toaster unbeaufsichtigt noch immer in der Ecke gleich neben dem Whirlpool. Den Stecker hatten die drei Stammtischbrüder natürlich nicht gezogen. Denn, was sollte schon passieren? Es ist doch ein guter Toaster, hatte Hans schon 20 Jahre lang gute Dienste geleistet. Sie hatten aber nicht bedacht, dass es in dieser Ecke immer mal wieder tropfte. So auch jetzt. An der Decke bilden sich dicke Wassertropfen. Sie wabern bedrohlich. Einer wird immer größer und größer und löst sich von der Decke. Er trifft genau in den hinteren rechten Schlitzen des Toasters. Es zischt laut.

Hans erwacht gerade aus seinem Tagtraum. Marc hatte zur zweiten Runde angesetzt. „Sie könnten sich schon ein bisschen schlanker machen“, schimpft eine Dame in seine Richtung. Hans denkt gar nicht daran, ihr den Gefallen zu tun, macht sich sogar noch breiter. Als Marc sein Handtuch schwingt, blickt Hans aus dem kleinen Fenster. Er ist vollkommen entspannt. In einer Ecke sieht er Rauch aufsteigen. Ist das nicht dort, wo sie den Toaster hingestellt hatten? Mag sein. Sicher rauchen die Bengels aus dem Nachbarort wieder heimlich. Hans hofft nur, dass sie die Finger von seinem Toaster lassen würden. „Wenn ich die dabei erwische, ziehe ich sie am Schlafittchen zu ihren Eltern“, verspricht er sich selbst.

 

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Alarm in der Sauna

Es sind aber nicht die Bengel aus dem Nachbarort, die qualmen, sondern der Toaster von Hans. Der Tropfen hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Deswegen steigt in der Ecke weißer Rauch auf. Und der Rauch trifft genau auf einen Rauchmelder. Hätte der Toaster ein bisschen weiter links oder rechts gestanden, hätte der wahrscheinlich nicht ausgelöst. Aber da steht er nun einmal nicht. Eine schrille Sirene springt an. „Feueralarm. Leisten Sie den Anweisungen des Personals folge“, sagt eine Computerstimme. Marc schaut ganz verdutzt. Er steht immer noch in seinen Shorts in der Sauna. War das nur eine Übung? „Dies ist ein Ernstfall. Verlassen Sie das Bad“, diese Durchsage kommt von einem echten Menschen.

Marc weiß nicht so recht, was zu tun ist. Eigentlich studiert er Design, das hier ist für ihn nur ein Nebenjob. „Bewahren Sie Ruhe“, fordert er die Saunagäste auf. „Jeder bindet sich sein Handtuch um und folgt mir.“ Die Gäste tuen, wie ihnen befohlen wurde. Marc führt seine Gruppe durch die Umkleidekabine nach draußen. Dort stehen bereits um die 100 Menschen, alle in Badebekleidung. Auch die Feuerwehr ist schon gekommen. Hans entdeckt seinen Kumpel Egon. „Kannst du meinen Toaster mitbringen“, fragt er den Feuerwehrmann. Egon zeigt ihm einen Vogel. Ein Toaster im Bad, so verrückt war nicht einmal Hans.

Als Egon und seine Kollegen ins Bad kommen, staunt er nicht schlecht. Da steht tatsächlich ein verkohlter Toaster in der Ecke beim Whirlpool. Sie durchstreifen die gesamte Anlage. Offensichtlich ist nichts weiter geschehen. Egon packt den Toaster und die Feuerwehrmänner ziehen sich zurück. „Da hast du deinen Toaster. Pack das Ding und verschwinde“, sagt er zu Hans. Manfred und Hubert sind schon verschwunden. Hans nimmt kleinlaut seinen Toaster und geht in die Umkleidekabine. Er duscht sich nicht, zieht nur schnell seine Klamotten über und verschwindet. Er will weg hier.

Mit den Samstagen im Bad hat er abgeschlossen. Was waren die anderen auch für Deppen. Hatten ihn einfach stehen lassen. Ja, es war sein Toaster. Aber immerhin hatten sie alle Spaß damit gehabt. So vergingen einige Wochen. Zwar vermisst Hans die Treffen, aber irgendwie war das auch gut so. So kommt er mal zu was. Schafft es zum Beispiel das Vogelhäuschen fertig zu bauen – und widmet sich mal wieder seiner elektrischen Eisenbahn. Aber da kam dieser eine Tag, ein Mittwoch. Hans öffnet wie immer nach der Arbeit den Briefkasten. Neben jeder Menge Werbung fischt er auch Brief der Stadtwerke heraus. Es ist eine Rechnung. 11.000 Euro wollen die Stadtwerke. Für einen Feuerwehreinsatz und die Evakuierung des Bades.

Vom Freund verraten

Hubert musste ihn verraten haben. Hans ruft sofort bei der angegebenen Telefonnummer an. Es meldet sich ein Herr Maier. Hans sagt, dass die Sache nicht seine Schuld gewesen ist. „Wir haben Informationen, dass das ihr Toaster gewesen ist, der den Feueralarm ausgelöst hat“, sagt Herr Maier. „Aber es ist doch gar nichts passiert“, entgegnet Hans. „Nichts passiert? Wir mussten das Bad evakuieren und die Feuerwehr kommen lassen. Glauben sie etwa, wir zahlen für ihre Dummheiten?“, Herr Maier bleibt hart. Hans würde das Geld wohl oder übel aufbringen müssen.

Er ruft Manfred und Hubert an, erzählte ihnen, was geschehen ist. Aber auch die bleiben hart. „Es war doch deine Idee mit dem Toaster. Wir haben damit nichts zu tun. Das haben wir auch Herrn Maier von den Stadtwerken gesagt“, entgegnet Hubert. Hans ist fassungslos. „Jeder muss für seine Dummheiten gerade stehen“, fährt Hubert fort. Was waren das nur für Freunde, die ihren Kumpel so im Regen stehen ließen? Es war ihre gemeinsame Idee, Toastbrote zu essen. Hans war ruiniert. 11.000 Euro, wo sollte er die hernehmen? Er arbeitete bei der Bahn, als Schaffner. Da verdiente er im Monat keine 3.000 Euro. Das Ersparte war für die Ausbildung der Kinder drauf gegangenen. Zum Glück ist wenigstens das Häuschen abbezahlt.

 

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Die peinliche Beichte

Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als seiner Frau zu beichten, was geschehen ist. Die ist vollkommen fassungslos. Auch sie versteht nicht, warum um alles in der Welt ihr Mann einen Toaster mit in die Sauna genommen hatte. Er war doch sonst so gescheit. Aber da müssen sie jetzt gemeinsam durch. „Was ist denn mit Manfred und Hubert? Könnt ihr euch denn die Kosten nicht teilen?“, fragt sie. „Könnten wir schon. Aber sie wollen nicht. Sie haben mich sogar bei den Stadtwerken verpfiffen. Was glaubst du, woher die meine Adresse haben?“, Hans schreit seine Frau an. „Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht enttäuschen“, sagt er.

Elfriede sieht in die traurigen Augen ihres Mannes. Er bereut wohl wirklich, was geschehen war. „Wenn du mir versprichst, dass du das nie wieder tust, helfe ich dir“, sagt sie zu ihm. Sie kennt Helga aus der Buchhaltung der Stadtwerke noch aus der Schule. Mit ihr handelt sie einen Deal aus. Hans braucht nur die 4.500 Euro für den Einsatz der Feuerwehr zu bezahlen. Die Evakuierung muss er nicht bezahlen, denn dafür waren auch keine konkreten Kosten entstanden. Und den Restbetrag kann er in Raten bei der Feuerwehr abstottern. So würde er jeden Monat an seine Missetat erinnert werden. Das ist für Elfriede eine kleine Genugtuung.

 

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